bvitg fordert eigenen Stellenwert für Gesundheits-IT

Kurz vor seinem 20-jährigen Jubiläum hat sich der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. strategisch neu positioniert. Gesundheits-IT rückt dabei als wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsversorgung und Teil der Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt.
Berlin, 10. Juni 2014. Die Entwicklung der Gesundheits-IT in den letzten 20 Jahren, vom administrativen Werkzeug der modernen Datenverarbeitung hin zu einem strategischen Instrument, das die Produktivität der Einrichtungen im Gesundheitswesen erhöht und die Qualität der Patientenversorgung verbessert, war am vergangenen Donnerstag Thema der Pressekonferenz des Bundesverbands Gesundheits-IT in Berlin. Entsprechend dieser Entwicklung hat sich der Verband mit der Mission „Gesundheits-IT einen eigenen Stellenwert geben!“ neu aufgestellt.

„IT hat sich zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Deutschland entwickelt. Ohne IT ist eine vernünftige Versorgung heute nicht mehr möglich“, brachte es Ekkehard Mittelstaedt, Geschäftsführer des bvitg e. V., auf den Punkt.

Dabei sieht der bvitg e. V. vor allem beim intersektoralen Austausch zwischen dem ambulanten und stationären Bereich sowie angrenzenden Einrichtungen deutliche Mehrwerte, die zur Wertschöpfung der Gesundheitsversorgung beitragen können. Mit Sorge betrachtet er den Zustand, dass in Deutschland die Bedeutung von Gesundheits-IT an den entscheidenden Stellen noch nicht ausreichend gewürdigt wird und sich das Potential derzeit nicht entfalten kann.

„Politik und Krankenkassen müssen der Gesundheits-IT einen größeren Stellenwert einräumen. Der Gesetzgeber muss entsprechende Vorgaben machen und die Finanzierung sicherstellen“, forderte Matthias Meierhofer, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des bvitg e. V., in Berlin.

Die Ziele, mit denen die Verbandsmission verfolgt wird, werden in der Broschüre des bvitg e. V. detailliert erläutert. Sie steht als PDF unter http://www.bvitg.de/verband.html zum Download bereit.

Der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V.
Der bvitg e. V. hat die Entwicklung der Gesundheits-IT seit der Verbandsgründung 1995 begleitet und sich inhaltlich mit den Schwerpunkten des Marktes weiterentwickelt. Mit 46 Mitgliedsunternehmen vertritt er heute die führenden Hersteller von Krankenhausinformationssystemen, Praxisverwaltungs- und Arztinformations- sowie Abteilungssystemen, Speziallösungen, Rechenzentren und weiteren IT-Lösungen für den ambulanten und stationären Bereich sowie für Reha-, Pflege- und Sozialeinrichtungen. Verband und Unternehmen machen sich gemeinsam dafür stark, die gesundheitliche Versorgung der Menschen in Deutschland durch den Einsatz von innovativen und an der Praxis orientierten IT-Lösungen nachhaltig zu verbessern.

bvitg veröffentlicht Branchenbericht:
Gesundheits-IT ist ein Wachstumsmarkt

Der vom Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. veröffentlichte „Branchenbericht IT-Lösungen im Gesundheitswesen“ ermittelt für Deutschland ein jährliches Wachstum von 3,2 Prozent. Das ist zwar überdurchschnittlich, schöpft aber die Potenziale längst noch nicht aus. Insbesondere der ausländische Markt verspricht derzeit Wachstumschancen. Der deutsche Markt könnte für die Unternehmen an Attraktivität verlieren, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern.

Im Rahmen der conhIT-Podiumsdiskussion „Jedes Land bekommt die IT, die es verdient. Was verdient Deutschland?“ wurde heute der „Branchenbericht IT-Lösungen im Gesundheitswesen“ vorgestellt. Er basiert auf einer wissenschaftlichen Erhebung der Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen der Fachhochschule Osnabrück, die 42 bvitg-Mitgliedsunternehmen und 131 weitere Unternehmen der Gesundheits-IT-Branche befragt hatte, und Ergebnissen der „Fokusgruppen“ des bvitg.

Den Gesamtumsatz der Gesundheit-IT-Branche beziffert der Branchenbericht für das Jahr 2012 auf 1,6 Milliarden Euro. Das Wachstum liegt mit 3,2 Prozent über dem Wachstum der Informationstechnologie gesamt (1,54 Prozent), jedoch unter dem von Software allgemein (5,3 Prozent). In den bvitg-Fokusgruppen wurden Teilsegmente des Marktes genauer analysiert. So zeigt sich in den Bereichen Cloud/Rechenzentrum sowie bei der Sprachverarbeitung und den Datenmanagementsystemen ein starkes Wachstum, während andere Segmente eher moderat mit 2 bis 3 Prozent pro Jahr wachsen. Bei den Labordatensystemen schrumpft der Markt, was mit den starken Konsolidierungstendenzen in diesem Marktsegment erklärt wird. Während das Wachstumspotenzial in Deutschland eher moderat ist, erscheinen über alle Segmente hinweg insbesondere die Wachstumserwartungen im Ausland attraktiv. Knapp zwei Drittel  der befragten Unternehmen sind bereits international tätig.

Die Branche beschäftigt in Deutschland 12000 Mitarbeiter, davon die Hälfte mit Hochschulabschluss. 9 Prozent der Beschäftigten in der Gesundheits-IT-Branche sind medizinische Informatiker, wobei der Anteil der offenen Stellen mit einem Schwerpunkt in der Medizinischen Informatik in den bvitg-Mitgliedsunternehmen mit 62 Prozent besonders hoch ist. Dies erklärt der bvitg damit, dass viele bvitg-Mitgliedsunternehmen im Kliniksektor tätig sind, wo die Nähe zu den Leistungserbringern ein hohes medizinisches Prozess-Know-how erfordert

Das Vorurteil, wonach die Gesundheits-IT-Branche eine Männerdomäne sei, bestätigt der Branchenbericht nicht. Immerhin ein Drittel der Beschäftigten sind Frauen. Das ist fast doppelt so viel wie im Durchschnitt des gesamten IT-Sektors.

Für die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, an der neben Matthias Meierhofer vom bvitg e. V. auch Prof. Dr. Ursula Hübner von der Hochschule Osnabrück und Dr. Ralf Laufer von der Deutschen Krankenhausgesellschaft teilnahmen, war klar: Um zukunftsfähig zu bleiben, werden der ambulante und der stationäre Bereich stärker vernetzt werden müssen. IT-Lösungen kommt in diesem Zusammenhang eine maßgebliche Bedeutung zu – jedoch müssten zunächst die strukturellen Grundlagen sowie die Notwendigkeit der Digitalisierung ins Bewusstsein der Politik gerückt werden.

„Die vollen Potenziale der Gesundheits-IT werden wir in Deutschland erst dann ausschöpfen können, wenn die Rahmenbedingungen einen flächendeckenden Einsatz von IT-Lösungen erlauben“, so Meierhofer. „Ohne Investitionen in sinnvolle und zielorientierte Versorgungsstrukturen wird uns dies nicht gelingen. Wenn von Seiten der Politik nicht aktiv gegengesteuert wird, wird Deutschland als Standort für die Unternehmen perspektivisch an Attraktivität verlieren.“

Zum „Branchenbericht IT-Lösungen für das Gesundheitswesen“

Die Grundlage für den Branchenbericht IT-Lösungen für das Gesundheitswesen bildet eine Befragung der Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen der Hochschule Osnabrück, die im Auftrag des bvitg e. V. durchgeführt wurde In zwei Phasen (Phase 1: 42 Mitgliedsunternehmen des bvitg e. V., Phase 2: 131 weitere Unternehmen der Branche) wurden dabei Kenngrößen des Marktes aus wissenschaftlicher und neutraler Perspektive zusammengetragen.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Befragung wurden um Ergebnisse aus den „bvitg-Fokusgruppen“ ergänzt. Mit Hilfe der Fokusgruppen hat die AG Marktforschung des bvitg e. V. den Gesamtmarkt für Healthcare-IT in relevante Teilsegmente gegliedert, die den Markt aus dem Blickwinkel einer spezifischen Produkt- oder Lösungskategorie betrachten. Dabei wurde jede Versorgungskette als Ganzes betrachtet und nicht in stationär oder ambulant aufgeteilt. Anhand eines Leitfadens wurden 11 Teilsegmente definiert, in denen die Aussagen und Einschätzungen über die Größe des Teilmarktes (Umsatzvolumen), das Exportvolumen, die Innovationskraft und den Personalbedarf erhoben wurden. In der aggregierten Darstellung ergeben die Ergebnisse der Fokusgruppen eine solide Basis, um die Branche der Healthcare-IT zu beschreiben.

bvitg fordert einheitliche IT-Infrastruktur

Der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. ist sich sicher, dass nach dem erfolgreichen Abschluss der Testphase zur Erprobung der Telematikinfrastruktur das bundesdeutsche Gesundheitswesen der einheitlichen IT-Infrastruktur einen großen Schritt näher gekommen ist.

„Es wird höchste Zeit, dass wir beginnen, Daten technisch hoch abgesichert auszutauschen. Wir freuen uns, dass der Grundstein für den Aufbau der IT-Infrastruktur nun gelegt ist“, so Ekkehard Mittelstaedt, Geschäftsführer des bvitg e. V., der die Interessen der IT-Anbieter im Gesundheitswesen vertritt.

Was der Industrie bislang fehlt, ist ein verlässlicher Rahmen. Zentrale Forderung des bvitg ist daher eine einheitliche IT-Infrastruktur ohne Parallelstrukturen.

„Wir machen uns stark für hochgesicherte IT-Infrastrukturen, auf der sich dann die Lösungen der Industrie im freien Markt entwickeln und im Wettbewerb behaupten können“, so Mittelstaedt. „Es muss aber vermieden werden, dass mehrere Infrastrukturen aufgebaut werden, die nicht verschmolzen werden können. Bereits existierende Netze müssen in die IT-Infrastruktur migriert werden.“

Auf Basis einer modernen und sicheren Infrastruktur soll zukünftig der Austausch von Daten in und zwischen den an einer Behandlung beteiligten Einrichtungen vorangetrieben werden. IT-Lösungen können dann einen wesentlichen Beitrag für eine bessere Gesundheitsversorgung in Deutschland leisten, indem sie die Produktivität und die Qualität der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen erhöhen, Prozesse optimieren und dabei helfen, Ressourcen besser zu nutzen.

Für mehr Patientensicherheit: bvitg unterstreicht die Positionen des Krankenhaus-Reports und dringt auf mehr Einsatz von Gesundheits-IT

04.02.2014

Mitte Januar hat die AOK den Krankenhaus-Report 2014 veröffentlicht. Seitdem wird das Thema Patientensicherheit im Krankenhaus kontrovers diskutiert. Auch der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. sieht für diesen Bereich Verbesserungspotenzial, das nicht zuletzt durch die flächendeckende Ausbreitung intelligenter IT-Lösungen ausgeschöpft werden könnte.

Intelligentere Krankenhausplanung, mehr Transparenz und Maßnahmen zur Qualitätssicherung – diese und weitere Forderungen finden sich im Krankenhaus-Report 2014. Bei der jährlichen Publikation stand die Frage nach mehr Sicherheit für Patienten im Mittelpunkt – ein Thema, das für den Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. von großem Interesse ist. Denn der Report macht deutlich, dass Gesundheits-IT einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Patientensicherheit und zur Vermeidung unerwünschter Ereignisse im Krankenhaus leisten kann.

Klinische Informationssysteme, die alle relevanten Daten zeitnah zur Verfügung stellen, optimieren den Workflow im Krankenhaus und sorgen dafür, dass Kapazitäten optimal genutzt werden. Darüber hinaus können IT-Lösungen bei Diagnostik und Therapie unterstützen, beispielsweise im Kontext der Medikation, die im Krankenhaus-Report prominent hervorgehoben wird. Lösungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) machen Ärzte und Pflegepersonal auf Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen und Dosierungsfehler aufmerksam.

„Wir pflichten der Aussage der Deutschen Krankenhausgesellschaft bei, dass Zahlen zu patientensicherheitsrelevanten Ereignissen, die auf Basis eines Gutachtens von 2007 hochgerechnet wurden, heute nicht mehr aktuell sein dürften. Gerade in sicherheitskritischen Bereichen wie der Medikation ist in den vergangenen Jahren in den Krankenhäusern bereits viel realisiert worden“, so Matthias Meierhofer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des bvitg e. V. „Es steht aber außer Frage, dass wir hier erst am Anfang stehen.“

Denn wenn es um AMTS geht, rangiert Deutschland im europäischen Vergleich auf den hinteren Plätzen. Nur 6 bis 8 Prozent der Krankenhäuser haben vollständige AMTS-Lösungen im Einsatz, so die Ergebnisse des aktuellen „IT-Report im Gesundheitswesen“ der Hochschule Osnabrück, der in Kürze veröffentlicht wird. Und fast die Hälfte der Häuser hat keine Pläne, AMTS-Lösungen einzuführen.

Die Problematik ist im Gesundheitswesen bekannt. Im vergangenen Jahr verabschiedete das Bundesministerium für Gesundheit den dritten Aktionsplan zur AMTS, für den sich der bvitg e. V. gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit, Ärzte- und Apotheker-Organisationen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie weiteren Akteuren des Gesundheitswesens engagiert, um das Thema AMTS voranzubringen.

Die integrierte Durchdringung aller Versorgungsbereiche mit intelligenten IT-Systemen sieht der Verband als grundlegende Voraussetzung, um die Qualität der Gesundheitsversorgung zum Wohle des Patienten zu verbessern. „Dieses Ziel wurde in Deutschland aber bisher nicht erreicht“, bringt es Bernhard Calmer, Vorstandsvorsitzender des bvitg e. V., auf den Punkt. Auch elektronische Patientenakten, die dem Austausch von Patientendaten im Rahmen regionaler oder überregionaler Versorgungsnetze dienen, werden in Deutschland bisher nur punktuell genutzt. „Der schleppende Aufbau einer einheitlichen Telematikinfrastruktur hat dazu maßgeblich beigetragen“, so Calmer.

Um das mit dem Einsatz von Gesundheits-IT zu erreichende Potenzial auszuschöpfen, appelliert der bvitg vor allem an Politik und Krankenkassen, der Gesundheits-IT einen größeren Stellenwert einzuräumen. Denn solange sich die strukturellen Rahmenbedingungen nicht verbessern und die Gesundheits-IT in Deutschland nicht als wegweisende zukunftsträchtige Investition Anerkennung findet, können sich, so die Überzeugung des Verbands, die mit ihr verbundenen Potenziale nicht entfalten.

Die aus bvitg-Sicht notwendigen Voraussetzungen wurden im Mai 2013 im Positionspapier „Gute Gesundheitsversorgung braucht mehr IT“ formuliert, das zum Download bereit steht.

Die Potenziale von Gesundheits-IT speziell für die Bereiche AMTS, Datenverfügbarkeit sowie Pflege thematisiert auch der bvitg-Innovationsreport, der im ersten Halbjahr 2014 veröffentlicht wird.