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Wird der Einkäufer zum Manager?

36. Bundesfachtagung in Rotenburg

Die Jahrestagung des Branchennetzwerks des Berufsfachverbandes für Einkäufer, Materialwirtschaftler und Logistiker im Krankenhaus e. V. (femak) brachte im Frühjahr über 160 Interessierte in Rotenburg zusammen. „In diesem Jahr nahmen erstmalig elf neue Kollegen teil“, bilanzierte Christiane Behrend, Schatzmeisterin, sichtlich stolz. „Wir freuen uns sehr, dass auch neue und junge Leute Interesse an der Tagung haben“, so Behrend, „dies sichert dem Verband die Zukunft“.

Während am ersten Tag traditionell allgemeine Trends und News in Vorträgen beleuchtet wurden, hielt Tag zwei Klinikspezifisches bereit. Neu in diesem Jahr gab es an beiden Tagen parallele Workshops, sodass manch ein Teilnehmer die schwere Entscheidung fällen musste, welches Thema größere Bedeutung für ihn hat.

Anton Schmidt, Vorstandsvorsitzender und hauptamtlicher Chef der Einkaufs- und Betriebsgenossenschaft P. E. G., vollzog mit dem Thema „Krankenhaus der Zukunft“ einen Brückenschlag zum Einkauf. Nur mit Methoden- und Fachkenntnissen, Kommunikationsfähigkeit, Datenaffinität und Netzwerken ließe sich ein Krankenhaus finanzieren und weiterentwickeln. „Und wenn man dazu noch femak-Mitglied ist, hilft dies ebenso weiter“, fügte Schmidt am Ende seines Vortrags schmunzelnd hinzu.

Winfried Neun, Kommunikationsberater der K.O. M., zog aus der Qualitätsoffensive der Regierung folgende Schlüsse: Die klassische Eindimensionalität der reinen Kosteneinsparung sei nicht der richtige Lösungsweg. Innovative Ansätze, die Unterstützung durch Dritte sowie der Blick von außen fänden zu wenig statt. Der Berater forderte ein Umdenken: „Das Qualitäts-Outcome ist wichtiger als das Preis-Leistungsverhältnis“.

Einen engagierten Vortrag hielt Prof. Dr. Kurt Marquardt, Leitung AKD, Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Er erklärte, dass die Einkäufer die Digitalisierung in anderen Branchen ebenfalls anerkennen und umsetzen müssen. Sein Ziel ist die digitale Visite auf iPads, eine Verknüpfung interner und externe Befunde und die Anbindung von Wearables, Apps und Medizintechnik. Noch verhält sich der Markt sehr zurückhaltend, kaum jemand nutzt bisher die trendgebenden neuen Technologien. In der Rhönklinik-Gruppe, so Marquardt, gebe es ein Innovationsteam, unter anderem besetzt mit Ärzten, das die Innovationsflut bewerte und Rückmeldung an Firmen gebe. In diesem Team fehle allerdings bisher der Einkäufer …

IMG_1769Junge Referenten wie Jan Wunderlich, Referent der Krankenhausgesellschaft Sachsen, und Martin Merkel, Leiter Zentraler Einkauf in Chemnitz, erklärten am zweiten Tag des Kongresses, wie das Krankenhausstrukturgesetz den Einkauf nachhaltig beeinflusst. Laut Merkel muss ein Einkäufer Prozesskosten senken, sich bei Controlling, Einsparungen, Projektarbeit und Standardisierung engagieren, Schnittstellen definieren, Logistik optimieren – und allem voran innovationsbereit sein. Im Einkauf liege der Fokus bisher eher auf der Struktur-, nicht auf der Prozess- und Ergebnisqualität.

Die Workshops mit Themen wie „Best Practices in der Projektarbeit“, „E-Procurement per elektronischem Investitionsanforderungssystem“, „Erlöse und Deckungsbeiträge“, „Steuerungselement Kostenträgerrechnung“, „Einkaufsoptimierung“ sowie „Medizin 4.0 und deren Konsequenz auf den Einkauf“ rundeten den Kongress ab.

Folgende Veranstaltungen bietet die femak bundesweit an: Am 18.5. findet eine regionale Einkäufertagung in Neunkirchen/Saar statt, am 7.6. gibt es „Informationen zu Recht, VOL und Adipositas“ in München und am 21.6. tagt ein Workshop/Update zum Vergabe-Recht in Rostock. Frühzeitige Anmeldung ist sinnvoll, die Plätze sind begrenzt und sehr beliebt.

Mirjam Bauer und Michael Reiter

IMG_6666Blaschke
FVDZ- Bundesvorsitzende Kerstin Blaschke, Position des Verbandes: Schutz der Patientendaten hat Vorrang vor Effizienzsteigerungen mit zweifelhaftem Nutzen und möglicherweise irreversiblen Konsequenzen

Leistungserbringer und Kostenträger stehen in der Verantwortung

Auf dem Weg zur digitalen Praxis – Wie sicher sind Patientendaten?

Patientendaten – Informationen zur Person sowie zu Diagnostik, Befund und Therapie – unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und sind äußerst sensibel. Geraten sie in die falschen Hände, so kann dies den Patienten als Betroffenen wie auch den Leistungserbringern als Verursachern Schwierigkeiten bringen. Sind solche Unterlagen aus Zahnarztpraxen medizinisch weniger aussagestark als in anderen Disziplinen, somit weniger attraktiv für Datensammler und -verwerter und daher weniger von Missbrauch bedroht? Wie dem auch sei – sie unterliegen denselben gesetzlichen Vorgaben, und Zahnärzte wie auch Krankenkassen sollten sie in ihr Risikomanagement einbeziehen. Die Referenten auf dem Presseseminar 2014 des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) beschrieben aktuelle technologische Entwicklungen, resultierende Risiken und notwendige Schutzmaßnahmen durch Mitglieder und Kostenträger.

Seitens des Gesetzgebers genießen Patientendaten den größtmöglichen Schutz. Zugleich dienen sie unterschiedlichsten Verwendungszwecken etwa im Abrechnungskontext – und sie wecken Begehrlichkeiten bei Akteuren im Versorgungsmanagement sowie in Forschung und Entwicklung bei Pharma und Medizintechnik. In anderen Ländern, etwa im System des englischen NHS, stehen anonymisierte Versionen von Patientendaten längst zum Verkauf.

Informationsfluss absichern

Erfassung, Archivierung, Kommunikation: Patienten in Deutschland müssen sichergehen können, dass ihre Daten nicht unbefugt in die Hände von Dritten gelangen, resümierte Dr. Günther E. Buchholz, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Die Novellierung des Patientenrechtsgesetzes hat 2013 entsprechende Rechte weiter gestärkt. Zutritts-, Zugangs- und Eingabekontrolle zählen zu den notwendigen Maßnahmen, und Schulungen für die Mitarbeiter müssen auch Datenschutzaspekte berücksichtigen. In der heute komplexen Landschaft von Infrastrukturen und Applikationen sollte beispielsweise, so Dr. Buchholz, die Abrechnungsdatei qualifiziert elektronisch signiert sein, „um die Rechtssicherheit des Abrechnungsweges zwischen KZV und Praxen zu gewährleisten“.

Neue Ansprüche

Bürger nutzen in ihrem Privat- und Geschäftsleben zunehmend die vielfältigen Möglichkeiten, die Internet und Applikationen bieten. Leistungserbringer und Kostenträger spüren verstärkt den Trend bei Patienten und Versicherten, dieses Nutzungs- und Suchverhalten auch auf die Gesundheitsversorgung zu übertragen, so Karsten Knöppler, Geschäftsbereichsleiter DV Steuerung, AOK-Bundesverband. Datenschutzfaktoren mögen die Entwicklung verlangsamen – aber ein zeitgemäßes Angebot muss kommen. „Aktuelle Themen“, sagte Knöppler in Berlin, „sind hier zum Beispiel Serviceaspekte wie die Dauer von Genehmigungsprozessen für Hilfsmittel oder Zahnersatz, Onlineportale für Arzttermine oder digitale Patientenakten“. Für effizientere gemeinsame Versorgungs- und Verwaltungsprozesse in der Praxis und in der Zusammenarbeit mit den Kassen, unterstrich der Geschäftsbereichsleiter, bildet die vollständige Digitalisierung des Informationsflusses die Voraussetzung. Heutige Standards wie DTA („Datenträgeraustauschverfahren“) sind noch nicht ausreichend genutzt, verfügbare Technologien müssen sich durchsetzen.

Restrisiko bleibt bestehen

Technische und organisatorische Sicherheit bieten allerdings nicht die Gewähr für die ausnahmslose Vermeidung des Missbrauchs von Patientendaten, fügte der Informatiker und Security-Spezialist Thomas Maus hinzu: Die Erfahrung zeigt, dass diese Mechanismen „seit Jahren systematisch geschwächt und ausgehebelt“ werden. Datenorientierte Entscheidungen von Behörden und Unternehmen sollten daher transparent gemacht werden; Gesetze sollten diese Vorgabe fixieren. Dazu zählen „die Angabe aller einbezogenen Daten und Datenquellen sowie anonyme Prüfmöglichkeiten und massive Strafbewehrung bei Verstößen“. Die gesellschaftliche Übereinkunft, „personenbezogene Bloßstellungen zu ächten und die Informationen zu ignorieren“, sollte tatsächlich gelebt werden.

Position des FVDZ

„Je komplexer die Vernetzung und je größer der Empfängerkreis, desto eher besteht die Möglichkeit, dass Daten an den Schnittstellen verlorengehen oder fehlgeleitet werden“, so die Position des Verbandes, dessen Bundesvorsitz Kerstin Blaschke innehat. „Desto größer ist auch die Gefahr, dass Daten manipuliert werden oder dass Unbefugte sich Zugang zu diesen Daten verschaffen.“ Den Prozess der Digitalisierung von Patientendaten will laut FVDZ niemand aufhalten; „von den Verantwortlichen in der Politik und in der Selbstverwaltung erwarten wir jedoch, dass sie diesen Prozess begleiten und steuern und gegebenenfalls auch eingreifen, wenn Strukturen zu Lasten der Sicherheit gehen“. Für den zahnärztlichen Berufsstand steht die vertrauenswürdige Zahnarzt-Patienten-Beziehung an erster Stelle; für den FVDZ hat deshalb „der Schutz der Patientendaten Vorrang vor Effizienzsteigerungen mit zweifelhaftem Nutzen und möglicherweise irreversiblen Konsequenzen“.

von Michael Reiter und Mirjam Bauer

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FVDZ-Presseseminar 2014: Spagat zwischen Datenschutz und verstärkter Nutzung der Potenziale digitaler Patienteninformationen

Sehen Sie hier auch ein aktuelles Interview mit Thomas Ballast, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Technikerkrankenkasse über jetztige und künftige Entwicklungen in der Versicherungslandschaft.