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Irmgard Landgraf und Prof. Marx teilen sich den Karl-Storz-Telemedizinpreis 2014: Das breite intensivmedizinische Spektrum eines Instituts steht dem Einzelengagement zur Betreuung eines Pflegeheimes keinesfalls nach, gemeinsam ist ihnen die telemedizinische Anwendung. Im Bild: Wolfgang Loos, Marina Shulman, Helga Schemm, Irmgard Landgraf, Prof. Dr. Gernot Marx, Prof. Dr. Hans-Jochen Brauns.

Zukunftweisende Telemedizin-Projekte: Pflegeheimversorgung und Intensivmedizin

Preisverleihung auf der Tagung der DG

Telemed Anfang November in Berlin

Den Karl Storz Telemedizinpreis der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) teilen sich 2014 zwei Preisträger: Prof. Dr. Gernot Marx, Leiter der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen, und Irmgard Landgraf, Fachärztin für Innere Medizin aus der Berliner Hausarztpraxis am Agaplesion Bethanien Sophienhaus. Sie erhielten die bereits zum siebten Mal vergebene Auszeichnung für die Projekte „TIM Telematik in der Intensivmedizin“ (Aachen) undVernetzte ärztliche Pflegeheimversorgung“ (Berlin).

Prof. Marx bietet sein Wissen und die hohe Qualität der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen mit ihrem breiten Spektrum den umliegenden Kliniken an. Die Spezialisten des Instituts halten selbst 100 Betten vor, durch die Kooperation ergibt sich eine noch höhere Anzahl intensivmedizinisch betreuter Patienten in der Region. In der Intensivmedizin wird in den nächsten Jahren durch steigende Lebenserwartung und neue Behandlungsoptionen zusätzlicher Kapazitätsbedarf entstehen. Die Verfügbarmachung des universitären Wissens in der Fläche ermöglicht kleinere Intensiveinheiten mit größerer Erfolgschance im Behandlungsverlauf – es können mehr Leben gerettet werden. Der bereits in den Alltag integrierte Produktivbetrieb des Projektes führte zu einer hohen Anzahl an teleintensivmedizinischen Visiten. Die Initiatoren und die Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) haben eine Komplexziffer „Tele-Intensivmedizin“ beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) beantragt.

Irmgard Landgraf verbessert mit Hilfe einer Pflegedokumentationssoftware die Kommunikation zwischen Arzt und Pflegepersonal nachhaltig, sie nutzt die Software telemedizinisch zur schnellen, ortsunabhängigen Information und Reaktion – und verhilft den Kranken im Heim zu schlankeren und schnelleren Prozessen in der Diagnostik und Therapie. Dieses Projekt bringt Vorteile für alle: Die Pflegekräfte haben den Kopf frei für Pflege und persönliche Zuwendung, da sie mithilfe der Dokumentation Fragen notieren, abschließen und nicht vergessen. Die Ärztin kann fokussiert täglich zeitnah agieren, und den Patienten wird schnell und adäquat geholfen – die Lebenszeit der so betreuten Patienten im Heim stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an. Die Krankenhäuser erhalten keine unnötigen Einweisungen – beispielsweise dehydrierte Patienten –, und auch das Pflegeheim profitiert: Belegungsprobleme gibt es nicht, die Fluktuation beim Pflegepersonal ist gering, das Heim hat einen guten Ruf. Zudem bildet die zuverlässige Dokumentation die ärztlich-pflegerische Zusammenarbeit gut ab, was bei MDK- und KV- Prüfungen hilfreich ist. Frau Landgraf ist deutschlandweit bisher die einzige Medizinerin, die diese telemedizinische Betreuung vornimmt – und zwar ohne zusätzliche Bezahlung, weil es in der anwendungsbezogenen Telemedizin noch keine gesetzliche Regelvergütung gibt.

Mirjam Bauer

Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e.V. dient als Plattform zum Erfahrungsaustausch und führt verschiedenste „Stakeholder“ der Telemedizin zusammen: Krankenhäuser, Ärzte, Wissenschaftler, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wirtschafts- und Beratungsunternehmen, Dienstleister, Krankenkassen, ärztliche Körperschaften, IT-Unternehmen sowie weitere Institutionen und Persönlichkeiten.

Hinweis auf Pressemeldung der DG Telemed:

Die DG Telemed zum GKV Versorgungsstärkungsgesetz

Die deutsche Gesellschaft für Telemedizin begrüßt den Referentenentwurf des GKV Versorgungsstärkungsgesetzes vom 21.10.2014 ausdrücklich. Die Gesellschaft sieht ein hohes Potential für die Weiterentwicklung telemedizinischer Versorgungskonzepte im Rahmen des neuen Innovationsfonds und dem Bedarf an Weiterentwicklung der Evaluationsmethodik für telemedizinische Versorgungskonzepte.

DGTelemed_zum_GKV-VSG

Healthcare-IT-Akteure unter „Deutschlands digitalen Köpfen“

Gesellschaft für Informatik zeichnet im „Wissenschaftsjahr 2014 – Die digitale Gesellschaft“ digitale Denker und Macher aus

Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) hat gemeinsam mit führenden „digitalen Experten“ sowie wichtigen Verbänden und Organisationen der IT-Branche „Deutschlands digitale Köpfe“ identifiziert (www.digital-ist.de/digitalekoepfe). Die Preisträger sind 39 Frauen und Männer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, die mit ihren Ideen und Projekten die digitale Entwicklung in Deutschland maßgeblich vorantreiben. Zu den gekürten Persönlichkeiten zählen drei Akteure aus der Healthcare-IT-Branche.

HorstHahn

Horst Hahn, Professor für Medical Imaging an der Jacobs University Bremen

Horst Hahn ist Professor für Medical Imaging an der Jacobs University Bremen. Er leitet das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS. Als Experte für bildgebende Verfahren sorgt Prof. Hahn dafür, dass „Ärzte Computer bestmöglich nutzen und so Krankheiten früher erkennen und bestmöglich behandeln können“, so die Organisatoren. „Sein Ziel ist nicht Geringeres, als die Medizin zu revolutionieren.“ Der Wissenschaftler Hahn bringt insbesondere bei der Früherkennung sowie bei der Diagnose und der Therapie von Brustkrebs große methodische Fortschritte auf den Weg. Als Experte für computerassistierte Medizin und bildgestützte Therapie arbeitet er darüber hinaus in zahlreichen weiteren Feldern der Medizin an zukunftweisenden Entwicklungen wie etwa der Analyse des Behandlungserfolgs und der Risikobewertung von Therapieoptionen.

Maik Plischke

Maik Plischke, Geschäftsführer der Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum (BITZ) GmbH

Maik Plischke ist Geschäftsführer der Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum (BITZ) GmbH. Er „ebnet den Weg für neue Versorgungsformen im Gesundheitswesen – und verbessert so die medizinische Betreuung der Menschen in Deutschland“, berichtet die GI. „Jenseits von Warteräumen und OP-Sälen … trägt Maik Plischke dazu bei, dass die medizinische Versorgung in Deutschland sich weiter verbessert. Als Verantwortlicher für das Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum sowie die Gesundheitsdatenbank für Niedersachsen sorgt der 39-Jährige dafür, dass digitale Innovationen Eingang in das Gesundheitswesen finden. Dafür schlägt Maik Plischke strukturelle Brücken von der Forschung in die Praxis. So bringt er neue Versorgungsformen auf den Weg – zum Wohle der Patienten.“

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Sylvia Thun, Professorin für Informations- und Kommunikations-technologien im Gesundheitswesen an der Hochschule Niederrhein

Sylvia Thun ist Professorin für Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen an der Hochschule Niederrhein. „Sie sorgt für einheitliche internationale Normen und Grundsätze in der Informations- und Medizintechnik – und entwickelt so das europäische Gesundheitswesen weiter“, so die GI. „Ein verbesserter Austausch von medizinischen Daten und Informationen sowie der Einsatz beispielsweise von modernsten Diagnose- und OP-Geräten über Grenzen hinweg – unter anderem auf diese Ziele arbeitet Sylvia Thun hin.“ Die Professorin setzt sich für die weitere Standardisierung von IT und Medizintechnik ein.

Vorbilder motivieren den Nachwuchs

„Ich bin überzeugt, dass wir, gemeinsam mit den renommierten Vertretern unserer Jury, eine Auswahl engagierter Persönlichkeiten treffen konnten, die eine erhebliche Bandbreite und eine spannende Vielfalt der Innovationskraft der digitalen Gesellschaft in Deutschland aufzeigen“, sagte der Präsident der GI und Sprecher der Jury, Prof. Dr.-Ing. Peter Liggesmeyer. „Mit den ‚digitalen Köpfen‘ zeigen wir Vorbilder. Damit wollen wir vor allem junge Menschen motivieren, einen Beruf im MINT-Umfeld zu ergreifen und mit eigenen Ideen den digitalen Wandel zu gestalten.“

„Deutschlands digitale Köpfe“ ist eine Initiative im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2014 – Die digitale Gesellschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). „Die Digitalisierung stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen – ob es nun um die Sicherheit unserer Daten geht, die Frage, wie wir Wissen im Netz miteinander teilen oder wie wir in der Industrie 4.0 die Produktion von morgen gestalten. Die Initiative „Deutschlands digitale Köpfe“ zeichnet diejenigen Menschen aus, die jeden Tag mit ihren Ideen und ihrer Arbeit die digitale Zukunft unseres Landes prägen. Sie beweisen, dass digitale Exzellenz in Deutschland Zukunft hat. Das wollen wir im Wissenschaftsjahr zeigen und deshalb unterstützen wir die Initiative der Gesellschaft für Informatik“, erläuterte Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF.

„Deutschlands digitale Köpfe“ wurden in einem zweistufigen Juryverfahren aus einer Gruppe von rund 240 Nominierten ausgewählt. Zu der Jury gehörten unter anderem Prof. Dr. Gesche Joost (Professorin Universität der Künste Berlin, Digitaler Champion der Bundesregierung im Rahmen der gleichnamigen Initiative der Europäischen Kommission und Co-Vorsitzende der Jury), Prof. Dr. Henning Kagermann (Präsident acatech-Akademie der Technikwissenschaft), Winfried Holz (Präsidiumsmitglied BITKOM und CEO Atos Deutschland), Prof. Dr.-Ing. Dr. Karlheinz Brandenburg (Miterfinder MP3, Institutsleiter Fraunhofer IDMT), Thomas Sattelberger (Vorsitzender MINT Zukunft schaffen e.V.) und Prof. Barbara Schwarze (Vorsitzende Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.).

Workshop im September

Am 15. September 2014 werden „Deutschlands digitale Köpfe“ feierlich in Berlin gekürt, und sie erarbeiten im Rahmen der GI-Tagung „Die Zukunft der digitalen Gesellschaft“ Empfehlungen für Deutschlands digitale Zukunft. Diese Empfehlungen werden der Bundesregierung auf der Abschlussveranstaltung des Wissenschaftsjahres Ende 2014 übergeben.

Autoren :

Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2014 und Michael Reiter